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Binäre Darstellung
Historische Entwicklung
Joseph-Marie Jacquard
Joseph-Marie Jacquard (1752 bis 1834) war ein französischer Erfinder, der durch seine Weiterentwicklung des programmierbaren Webstuhls entscheidend zur industriellen Revolution beitrug.
Um auf einem Webstuhl einen Stoff mit einem Muster herzustellen, müssen bei einem Webstuhl bei jedem Durchgang des Schiffchens bestimmte Gruppen von Fäden angehoben werden. Jacquard entwickelte eine automatische, mechanische Steuerung für diesen Vorgang. Bei einem Jacquard-Webstuhl wird das Muster über Löcher in einer beliebig langen Kette von Lochkarten codiert. Dabei bedeutet ein Loch, dass der Faden gehoben wird, kein Loch, dass der Faden gesenkt wird. Die Lochkarten werden von Nadeln abgetastet und in die gewünschte Bewegung umgesetzt.
Damit hat Jacquard die binäre Darstellung von Informationen vorweggenommen: Die Muster werden als Binärcode (Loch bzw. kein Loch) gespeichert. Die auf zwei Grundzuständen beruhende Darstellung von Informationen mit Materie oder Energie hat sich bis heute bewährt und durchgesetzt.
Lochkarten und -streifen
Lochkarten und -streifen wurden und werden für verschiedene Zwecke verwendet. Typische Beispiele sind:
- Steuerung von Musikinstrumenten, z.B. Drehorgel
- Arbeitszeiterfassung mittels Stempeluhr
- Programmierung von Computern

Moderne Technologien
Binärcodes sind nicht an ein bestimmtes Medium gebunden, sondern überall dort realisierbar, wo der Wechsel zwischen zwei Zuständen erzeugt und festgestellt werden kann. Dadurch sind Binärcodes universell einsetzbar.
Heute werden Bits normalerweise nicht mehr durch Löcher in Papier dargestellt, sondern mit folgenden physikalischen Effekten:
- elektrische Spannung: Datenkabel, Platinen, Microchips
- elektrische Ladung: Arbeitsspeicher, Flash-Speicher, USB-Stricks, Solid State Drive (SSD)
- Magnetisierung: Festplatte, Musikkassette, Magnetbänder
- elektromagnetische Wellen: WLAN, Mobilfunk, Bluetooth, Glasfaserkabel
Datenmengen
Der Raum, welche eine bestimmte Menge an Materie einnimmt, wird als deren Volumen bezeichnet und in Liter oder Kubikmeter gemessen. Analog ist die Datenmenge ein Mass für die Anzahl Bits, welche verwendet werden, um bestimmte Daten digital darzustellen.
Dabei kann die gleiche Information je nach Codierung eine unterschiedliche Datenmenge beanspruchen.
Bit
Die Datenmenge, welche mit zwei Zuständen dargestellt werden kann, nennt man ein Bit. Ein Bit ist die kleinstmögliche Informationseinheit.
Wir können uns ein Bit als Kästchen vorstellen, in welchem eine Null oder eine Eins steht:
Byte
Die Datenmenge, welche aus acht Bits gebildet wird, nennen wir ein Byte. Wir stellen uns ein Byte als acht Kästchen vor, die je eine Null oder eine Eins enthalten:
Da für jedes Kästchen zwei Möglichkeiten vorhanden sind, können wir ein Byte auf 28=256 verschiedene Arten mit Nullen und Einsen füllen. Mit einem Byte können also 256 verschiedene Dinge gespeichert werden, beispielsweise die Zahlen 0 bis 255 oder 256 verschiedene Schriftzeichen.

SI-Präfixe
Für Datenmengen werden die SI-Präfixe des Internationalen Einheitensystems (SI) verwendet, wie sie auch bei anderen Masseinheiten gebräuchlich sind (z.B. ein Kilogramm Brot, eine Megawattstunde, 34 Gigatonnen CO2-Emission pro Jahr).
| Bezeichnung | typisches Beispiel | Kürzel | Potenz | Grösse |
|---|---|---|---|---|
| Bit | 1 bit | |||
| Byte | ein Buchstabe | 1 B | 100 | 8 bit |
| Kilobyte | eine halbe Seite Text | 1 kB | 103 | 1000 B |
| Megabyte | eine Minute Musik (MP3) | 1 MB | 106 | 1000 kB |
| Gigabyte | eine Viertelstunde Video (Full HD) | 1 GB | 109 | 1000 MB |
| Terabyte | Speicherplatz einer Festplatte (2016) | 1 TB | 1012 | 1000 GB |
| Petabyte | 1 PB | 1015 | 1000 TB | |
| Exabyte | 1 EB | 1018 | 1000 PB |
Historische Binärpräfixe
Weil Datenspeicher eine binäre Adressierung verwenden, sind Speicherkapazitäten normalerweise Zweierpotenzen. Deshalb war es früher üblich, 210=1024 Byte als Kilobyte oder kB zu bezeichnen.
1996 hat die International Electrotechnical Commission (IEC) spezielle Präfixe für Binärpräfixe festgelegt:
| Bezeichnung | Kürzel | Potenz | Grösse |
|---|---|---|---|
| Kibibyte | 1 kiB | 210 | 1.024 kB |
| Mebibyte | 1 MiB | 220 | 1.05 MB |
| Gibibyte | 1 GiB | 230 | 1.07 GB |
| Tebibyte | 1 TiB | 240 | 1.10 TB |
| Pebibyte | 1 PiB | 250 | 1.12 PB |
Auch heute kann man sich nicht immer sicher sein, ob die Angabe «1 TB» ein Terabyte, also 1012 Byte oder ein Tebibyte, also 240 Byte bedeutet.
Bild: George H. Williams, Quelle: Wikimedia Commons ↩︎
Quelle: Wikimedia Commons ↩︎
Bild: Harke, Quelle: Wikimedia Commons ↩︎

